Wohl wußte man auch schon in den 50iger Jahren in Fachkreisen, daß Wasser durch Benzin und Dieselöl ungenießbar gemacht werden kann, aber der Tragweite einer möglichen Katastrophe war man sich nur zum Teil bewußt. Es gab damals weder das Schlagwort "Umweltschutz" (dies wurde erst 1970 kreiert), noch technische Kenntnisse über das Verhalten von Mineralöl im Grundwasserbereich.

Die Aufgabe der Feuerwehren bestand damals in der Hauptsache im Feuerlöschen. Wer wußte denn damals schon, daß Mineralöl Wasser in einer Verdünnung von 1:10 Millionen ungenießbar machen kann, oder daß es Fälle gibt, daß nach 30 oder 40 Jahren nach einem Mineralölaustritt Brunnen noch unbrauchbar sein können oder daß man in einem Kubikmeter Wasser über ein halbes Liter Superbenzin echt auflösen kann? Wer hatte damals schon ein Ölbindepulver? Wer konnte einen verunfallten Tankwagen umladen, wo doch keine Tankwagenkupplung mit einer Feuerwehrkupplung zusammenpaßte?

Als sich jedoch 1965 im Einzugsbereich der Gösser Brunnen ein größerer Tankwagenunfall ereignete, mußte etwas geschehen! Zu groß war die Gefahr, daß das Gösser Wasser gütebeeinträchtigt würde. In einem Großeinsatz wurde das gesamte mineralölverunreinigte Erdreich abgehoben und aus dem Gefahrenbereich verbracht.

Der Leobener Stadteil Göß - er wurde 1939 eingemeindet - ist einer der ältesten urkundlich genannten Orte der Steiermark. Schon 904 n. Chr. Wird er in der frühesten Originalurkunde des Landes als "villa Costiza" bezeichnet. Seine geschichtliche Bedeutung ist vor allem im BenetiktinerinnenStift begründet, das kurz vor 1020 als erstes steirisches Stift gegründet wurde und nach Jahrhunderten ruhmwürdigen Bestehens 1782 den Reformen Kaiser Josef II. zum Opfer fiel.

Zu einer der wichtigsten für die Sicherheit von Hab und Gut sorgenden Institutionen ist im verflossenen Jahrhundert seit ihrer Gründung wohl die Freiwillige Feuerwehr Göß geworden, deren 125. Geburtstag am 19. April 2000 festlich begangen wird. Feuersbrünste waren eine der großen Menschheitsgeißeln, die immer wieder Siedlungen verheerten und in ihrem Fortschritt hemmten.

Die Mitarbeit jedes einzelnen Bürgers zählt deshalb schon sehr früh zu den zwingenden Verpflichtungen im Brandfall der Öffentlichkeit gegenüber.

Die erste Kunde über die Gründungsvorbereitungen ist ein Schriftstück der Gemeindevorstehung Göß vom 24. März 1875, in dem der damalige Bürgermeister Meyer sämtliche Grundbesitzer zu einer Versammlung im Gasthaus Sebastian Korp für Osterdienstag, den 30. März einlädt. Man scheint damals alle Unstimmigkeiten beseitigt zu haben, denn bereits am 5. April macht sich der Gründungsausschuß, dem Brauereibesitzer Max Kober, Franz Mayer, Anton Goll, Josef und Ladislaus Meyer angehören, an die Arbeit.

Am 14. April 1875 sind die Statuten fertig und beschlossen, werden der k.k. Statthalterei in Graz vorgelegt und bereits am 19. April von dieser genehmigt zurückerstattet. Immerhin traten bei der Gründung 23 Gösser als aktive Mitglieder und somit als Wehrmänner der Feuerwehr bei. Die Sitzungen wurden wechselweise in Gösser Gasthäusern abgehalten, wobei vorzugsweise solche drankamen, deren Besitzer selbst bei der Feuerwehr waren.

Wichtig war vorerst die Beschaffung einer Ausrüstung. Zur Geldbeschaffung hatte man sich auch an den Kaiser höchstpersönlich gewandt und um eine Unterstützung gebeten.

In dem Schreiben vom 18. Mai schreibt der Hauptmann "in tiefster Hochachtung und Verehrung treu gehorsamst", wie es um Göß steht: "Die notorisch arme und in Folge der im vorigen Jahre wiederholten Verheerungen durch Wolkenbrüche und Uiberschwemmungen sehr schwer heimgesuchte Gemeinde Göß besaß bisher keinerlei Feuerlöschrequisiten, war daher bei ausgebrochenen Feuersbrünsten ganz hülflos dem entfesselten verheerenden Elemente preisgegeben... Euer Majestät unerschöpfliche Huld und Gnade - ein reiner nie versiegender Born für alle Hülfsbedüftigen - Euer Majestät wahrhaft väterliches Herz für Jeden Ihrer getreuen und treu ergebenen Unterthanen - wagt es demnach die ehrfurchtsvollgefertigte Freiwillige Feuerwehr von Göß fußfälligst anzuflehen, durch allergnädiste Gewährung eines Beitrages zur Anschaffung von Feuerlösch-Requisiten ihr huldvollst zu Hülfe zu kommen und erlaubt sich zugleich Euer Majestät hiefür ihren tiefsinnigsten nieersterbenden Dank zu Füßen zu legen.

"Die devote Bitte hatte den Erfolg, daß der Kaiser 100 fl. für die Zwecke der Feuerwehr spendete.